Vom Lieferwagen zum Camper-Van in nur 30 Tagen

Die erste Phase vom Lieferwagen zum Camper-Van realisierten wir in 30 Tagen. Das war unser Zeitlimit, was wir uns setzten um den ersten Roadtrip in Angriff zu nehmen. Seit dem haben immer wieder Updates vorgenommen. Herausfinden was man on the Road wirklich braucht und was im Nachhinein unnütz war, findet man erst unterwegs heraus. 

Als aller erstes haben wir uns den Kopf zerbrochen, wo und für welche Zwecke wir unseren Van einsetzen wollen.

Wofür brauchen wir den Wagen?

Bei uns geht es nicht darum gewöhnlichen Campingurlaub zu machen. Es geht auch nicht darum zur Sommerzeit während drei Wochen eine Strecke als Urlaubsziel abzufahren. Nein, wir als Digitale Nomaden benötigen ein mobiles Zuhause und Office. Unser Mobil muss unseren Zwecken dienen und funktionieren, egal wo wir uns gerade befinden.

Im Klartext: Leben, Abenteuer und Arbeit kombinieren!

Das Fahrzeug

Es sollte nicht zu gross sein. Wir nutzen den Wagen als Alltagsauto und müssen damit überall hinkommen. Es Zu klein durfte er aber auch nicht sein…denn es muss ja alles zum (Über)leben rein.

Ein wichtiger Faktor war, dass der Van auf den ersten Blick nicht als mobiles Zuhause auffallen soll, damit wir überall anhalten und darin übernachten können. Die Wahl war schnell getroffen: ein niedriger, kurzer Lieferwagen, am Besten nicht weiss und ohne Seitenfenster.

So entschieden wir uns für einen schwarzen, vier Jahre alten Ford Transit, den wir spontan auf den Namen BLACK BETTY tauften.

6 Black Betty

Der Umbau vom Lieferwagen zum Camper-Van

Wir hatten Glück beim Kauf. Der Lieferwagen war schon mit einem sauberen brauchbaren Boden ausgestattet. Auch eine Standheizung war schon integriert, welche über eine Zweitbatterie läuft. Ansonsten ein sauberer, kleiner, leerer Raum…perfekt zum Austoben.

Mein Gott, was wurde getüftelt um alles unter einen Hut zu bringen! Aber wir haben es geschafft.

Holz ist vielleicht nicht das leichteste Material. Doch das was uns am einfachsten zu verarbeiten schien…
So begann unser Ausbau mit einer riesigen Amazon-Bestellung und einem längeren Besuch im Baumarkt. Fichte-Leimholzplatten, Holzleisten, selbstbohrende Schrauben, Kleber, Teppichboden, Winkel…die Liste war unendlich.

5 Bau
Die Amazon-Bestellung ist da! Und die Schränke nehmen so langsam Form an.

1. Isolation

Die Wände und das Dach haben wir mit gewöhnlichem Schaumstoff gedämmt und mit MDF-Platten (drei Millimeter) verschlossen.

2. Das Schlafzimmer

Ein grosser Vorteil ist, dass wir keine, in die länge geschossenen Menschen sind. Nach vielem Austesten haben wir uns dafür entschieden das Bett quer in den Lieferwagen einzubauen. Dies ist ausreichend für uns, sogar im komplett gestreckten Zustand!

Das Bett musste ebenfalls die Funktion haben tagsüber als Sitzbank zu dienen.

Somit wurde die Ikea Schaumstoff-Matratze schliesslich in mehrere Stücke zersägt um dies zu realisieren. Tagsüber dienen Teile der Matratze als Rückenlehne der Couch und das restliche Bettgestell bleibt flexibel und ausziehbar.

Da sich unser Bett gleich hinter der Rückwand der Fahrerkabine befindet und diese aus Blech ist, haben wir sie mit schwarzem Teppichboden beklebt. Dies fanden wir einfach schöner. Hierfür wurde ein reduziertes Reststück aus dem Baumarkt benutzt.

1 Bett
Unser Sitz-/Schlafbereich mit ausziehbarem Bett

3. Die Küche

Essen ist bekanntlich ein grosses Hobby von uns…also muss die Küche alles hergeben was sie kann!

Wir haben uns für ein Einbau Gas-Kochfeld entschieden mit herkömmlichem Anschluss für eine Gasflasche. Unser Gedanke war, dass Gasflaschen wahrscheinlich einfacher unterwegs aufzutreiben sind und länger halten als Camping-Gaskartuschen.

Was in einer „Profi-Küche“ nicht fehlen darf ist der Grill. Wir haben im Netz den wohl Kompaktesten und Besten für unsere Zwecke gefunden: den „Son of Hibachi“ Holzkohlegrill in Kofferform (mit praktischer Transport-Tasche)

Kaffee gibt’s bei uns „old school“ aus dem Espressokocher.

Für den Abwasch nutzen wir eine gewöhnliche 32cm Edelstahl-Schüssel. Als Wassertank dient uns ein 20 Liter Wasserbehälter.

4. Stauraum

Fast alles was sonst so an Raum übrig bleibt, wird bei uns als Stauraum genutzt.

Unter der Sitzbank gibt es einen Hohlraum von +/-120 x 70 x 30 Zentimeter für unsere Klappstühle, den aufrollbaren Camping-Tisch, das Sonnensegel und einen Werkzeugkasten.

Gleich neben der Couch +/- 70 x 70 Zentimeter, vom Boden bis zur Decke, einen Schrank für Kleidung, Bettzeug, Töpfe und alles was noch so gebraucht wird.

Unter der Küchenzeile gibt es Stauraum von der Schiebetür des Wagens bis zur hinteren Tür +/- 120 x 50 x 60 Zentimeter. Drei Türen: eine für die grosse 12kg Gasflasche und den Grill, eine für Mülleimer und Sonstiges und eine für die KühlboxOberhalb der Kühlbox bis zur Decke einen weiteren Schrank mit herausnehmbarem 20 Liter Wasserbehälter und noch mehr Stauraum.

Das ganze Gerüst, Bett und Schränke, wurden am Boden mit Kleber und an der Decke mit selbstbohrenden Schrauben an den Stabilisierungs-Säulen des Wagens befestigt.

UPDATE: Mittlerweile haben sich die Aufteilungen unserer Schränke  geändert. Der Mülleimer ist an der hinteren Tür fixiert und gibt somit einen Schrank frei. Der Wasserbehälter und die Kühlbox haben ihren Platz verlassen und jeweils einen anderen Schrank besetzt. In dem Schrank mit der 12kg Gasflasche haben wir einen Mini-Gaskasten installiert und die grosse Buddel mit einer kleinen 3kg Gasflasche getauscht. Alle Erneuerungen findest du auf unserem Youtube-Kanal.

5. Das Klo

Ja, wir haben ein Notfall-Klo! Unterwegs findet man in der Regel immer ein WC, aber was tun wenn nicht? Wenn man nicht gerade in der tiefsten Natur parkt, wird es kompliziert sein Geschäft ungestört zu verrichten… Wir überlassen nichts dem Zufall und haben uns deswegen eine simple Eimer-Toilette organisiert.

Tüte rein, Superabsorber Gel- Granulat in die Tüte und schon ist alles fein verpackt für die öffentliche Abfalltonne am Strassenrand.

Wenn du mehr darüber erfahren willst was es mit diesem Absorber-Gel auf sich hat, dann lies auch diesen Artikel !

 

4 WC
Unser Wasch- und Spülbereich, das Klo-Versteck und der Hecktüren-Duschvorhang
6. Die Dusche

Für die 20 Liter Solar Dusche haben wir uns passend einen Duschvorhang besorgt. Den bringen wir an die aufgeklappten Hecktüren mit zwei Häkchen an.

UPDATE: Die Dusche hat’s nicht überlebt! Wir steuern mittlerweile Campingplätze, Tankstellen oder Freizeithäfen an um zu duschen. Zur Not waschen uns ganz „old school“ mit dem Waschlappen oder es wird wild geduscht…je nachdem, wie es uns gerade passt.

7. Lüftung

Da wir auf kleinstem Raum zu zweit die ganze Nacht verbringen ist eine gute Luftzufuhr sehr wichtig. Äusserlich wollten wir aber keinen Schnick-Schnack anbringen. Der Lieferwagen soll ja nicht als Wohnmobil auffallen.

An der Trennwand zwischen Fahrerkabine und Ladefläche befindet sich ein Sichtgitter. Wir haben uns für Wind und Regen-Abweiser an den Seitenfenstern entschlossen. Somit können wir nachts die Fenster einen Spalt weit aufstellen. Die Luftzufuhr ist gewährleistet und von aussen fällt es keinem auf. Sollte dies nicht ausreichend sein, müssen wir übers Dach nachrüsten…

UPDATE: wir haben uns zusätzlich einen Dachlüfter installiert um Kondensbildung zu vermeiden.

8. Strom und Wifi

Bei der Beleuchtung handelt es sich um einen 10 Meter selbstklebenden LED Streifen. Der Streifen hält besser, wenn man ihn mit ein bisschen Silikon oder Alleskleber unterstützt. Die LED’s laufen einmal um den Innenraum herum und wurden mit einer kleinen Eckleiste zur indirekten Beleuchtung umfunktioniert die, auf Knopfdruck in allen Farben leuchtet.

Da wir auch unterwegs auf’s Internet angewiesen sind, darf es an Strom und Wifi-Signal nicht fehlen! So wurde ein, über Solar gespeister Akku eingebaut (dritte Batterie) und eine Solarzelle auf’s Dach montiert, oder besser gesagt geklebt. Und ja, der Kleber hält! Wir waren anfangs skeptisch, müssen aber zugeben, dass folgende Kunden-Rezension wohl stimmt:

„Mit diesem Kleber kann man Elefanten an Raketen kleben“

Update: Auch die Solarkapazität hat sich mittlerweile verdoppelt. Wir haben ein zweites Solarpanel montiert… Und weil wir fast täglich mit Fragen rund um’s Thema Strom im Van bombardiert wurden, haben wir ganz einfach ein E-Book darüber geschrieben.

Hier gehts zum Artikel und zum Download

Mit einem geeigneten  230V Stromwandler können wir problemlos unsere Laptops, Handys und anderes Zeug laden.

2 Strom
Für den Notfall haben wir zusätzlich noch eine Powerbank mit dabei. Damit lässt sich das Handy auch mehrmals laden. Ach ja, und für unsere 29 Liter Kühlbox reicht der Strom auch locker aus. Cool oder?

Update: Unsere Kühlbox hat voll versagt! Da es eine Thermo-elektrische Box war, hat sie nur bis zu 20 Grad unter Umgebungstemperatur gekühlt. Dies war für unsere Zwecke ein absolutes No-go. Wir haben uns mittlerweile eine Kompressor-Kühlbox der Firma Engel geholt. Mit dieser Box könnten wir jetzt sogar Eiswürfel mit auf Tour nehmen! 

Sollten wir doch mal auf dem Camping- oder Womostellplatz landen, dann gibt’s an unserer Rückwand der Fahrerkabine eine zusätzliche Steckdose für Landstrom.

Diese ist von vorne heraus mit einer Verlängerung unter dem Beifahrersitz verbunden, so dass man sich ans Camping-Stromnetz anstöpseln kann. Natürlich haben wir auch eine Adapterkabel Schutzkontaktkupplung auf CEE-Stecker mit dabei.

Wie gesagt, wir überlassen nichts dem Zufall… 😉 

Das Wifi-Signal liefert der „GlocalMe G2“. Dieses handliche Gerät, mit integrierter Cloud-SIM, schleust dich übers lokale Handynetz ins Internet.

GlocalMe verbindet sich automatisch mit dem lokalen 3- oder 4G Netzwerk.

Betankt wird der mobile Router, indem du Datenpakete herunter lädst. Das Gerät ist sehr praktisch und nicht viel grösser als ein iPhone. Es lässt sich fast weltweit einsetzen und kann bis zu fünf Geräte gleichzeitig mit Wifi versorgen. 

UPDATE: Mittlerweile handhaben wir das mit dem Internet im Ausland am liebsten über lokale Simkarten oder mit unserem heimischen Smartphone-Abo. Denn die Glocal-Pakete sind dann doch ziemlich teuer. Du kannst aber auch externe Simkarten im Glocalme-Router verwenden. Also ist das Gerät noch immer brauchbar und im Einsatz! 

7 Anstrich

9. Sonstiges

Für die Rückfenster haben wir noch Vorhänge genäht, welche mit Klettverschluss abnehmbar sind.

UPDATE: die, an die Karosserie angeklebten Klettverschlüsse haben der Hitze im Sommer nicht standgehalten und sich gelöst… Also haben wir uns Magnetvorhänge angefertigt. Diese sind weitaus praktischer!

Die Schlafcouch wurde mit dem gleichen Stoff wie die Vorhänge bezogen. Ein paar Kissen verschönern dabei die Sitzecke.

In der Küchennische wurde ein Wachstuch mit Klettverschluss angebracht, damit es zum Reinigen abnehmbar ist.

UPDATE: Gleiches Problem wie bei den Vorhängen… Die Klett-Klebestreifen und das Wachstuch wurden ausgetauscht. Jetzt haben wir einen robusten PVC-Belag in Fliesenoptik an der Wand angebracht. Das Ganze wurde mit Universalkleber geklebt und hält jetzt bombenfest! 

Zu guter Letzt wurde die Küchenzeile noch mit einem kleinen Feuerlöscher ausgestattet.
Die Schränke haben wir mit Plastikkisten aufgefüllt um Ordnung im ganzen Zeug zu bewahren.

Der Umbau vom Lieferwagen zum Camper-Van „Die Serie“

Zu unserem Umbau des Lieferwagens haben wir eine kleine Videoreihe gedreht. Diese findest du auf unserem Youtube-Kanal. Viel Spass beim Ansehen und vergiss nicht uns zu abonnieren!

Schlussendlich ist unsere „Betty“ um die 500 Kilo schwerer geworden und liegt damit noch immer in der Fahrzeugpapier-Norm! 


Wenn dich dieser Artikel interessiert hat und du weitere Details zu unserem Ausbau haben möchtest, dann schau unter der Kategorie Selbstausbau vorbei! Dort findest du alle Infos zu unseren Van-Updates. 

Denn ein Selbstausbau ist eine „never ending Story“. Also bleib dran, wir testen für dich was sich bewährt und was nicht!


Bildquelle: Patascha’s World / Dieser Artikel enthält Affiliate-Links

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4 Kommentare

  • einfach genial!!!!! besonnders, nicht als camper aufzufallen und damit quasi fat überall stehen/übernachten zu könnnen war auch mein grundmotiv für meinen kastenwagen in camping light version…..und es funktioniert perfekt!!!

    • Hi Elke,
      Schön zu hören, dass es funktioniert. Wir haben es bisher erst 2x erfolgreich in Luxemburg ausprobiert 🙂 Nächster Halt Österreich und Slovenien…

  • servus,
    wir sind (wie so etwas meistens passiert) durch Zufall auf eure Seite gestoßen und haben uns gerade die tollen Videos von eurem Umbau angeschaut. Also beide Daumen hoch, toller Ausbau auf kleinstem Raum und vor allen Dingen ganz tolle Videos. Wir haben uns mittlerweile schon das dritte WoMo selbst ausgebaut. Wir wünschen euch weiterhin gaaaanz viel Spaß und immer Pannen- und Unfallfreie Fahrt, immer ein paar Tropfen Diesel im Tank und etwas zu trinken in der Kühlbox
    Liebe Grüße die Angie und der Tom

    • Danke für die lieben Komplimente! Wir haben gerade auf eurer Seite gesehen dass wir uns ja fast in Frankreich über den Weg gelaufen sind. Wir sind zur Zeit immer noch im Süden Frankreichs bis Anfang November. Wir machen Housesitting in der Gegend von Avignon und passen auf einen kleinen Hund auf. Man läuft sich ja vielleicht mal übern Weg 🙂

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