Frei stehen – 7 Tipps wie und wo du dich mit deinem Camper sicher fühlst –

Frei stehen mit dem Campervan ist eine umstrittene Sache…

In einigen Ländern ist es verboten. Andere Länder tolerieren es. Sicherlich hast du schon bemerkt, dass wir mit unserer Betty notorische Frei Camper sind. Wir lieben es uns unseren Schlafplatz selbst aussuchen zu können.

Zwischen weissen WoMo-Yachten zu parken ist nicht so unser Ding. Dann bekommen wir immer Platzangst 🙂 Genau so wenig mögen wir Campingplätze. Hier wird man förmlich mit Blicken getötet, wenn man nur den Holzkohlegrill vor den Van stellt.

Nachts auf dem WoMo-Stellplatz

Also kommt für uns meist das Frei stehen in Frage! Camping-/Stellplätze werden nur zum Notfall-Waschen und Duschen aufgesucht.

Doch eine grosse Sorge von uns Frei Campern ist, wie man ohne Störung eine ruhige Nacht verbringen kann.

In diesem Artikel verraten wir dir unsere Massnahmen und Tipps. Wir haben sie bisher äusserst erfolgreich angewendet. Trotzdem gibt es keinerlei Garantie, dass es nicht doch einmal nachts an deiner Tür klopft…

1. Suche dir nachts einen anderen Platz zum Frei stehen als tagsüber

Ja, so ein Stellplatz irgendwo im Nirgendwo ist schon sehr verlockend. Meist möchte man gar nicht mehr von dort weg. Ungestört kochen, arbeiten, in der Sonne relaxen, duschen etc. Der Traum jedes Frei Campers!

Trotzdem wechseln wir immer unseren Stellplatz für die Nacht.

Warum?

Tagsüber wirst du gesehen. Von Passanten oder vielleicht sogar der örtlichen Polizei. Wenn du dann noch über Nacht bleibst, kann es durchaus passieren, dass du angeschwärzt wirst. Und schwupps, bekommst du ungebetenen Besuch und die Nachtruhe ist dahin.

Also, besser den Standort für die Nacht wechseln!  Es kommt selten vor, dass wir mehrere Tage am Stück am gleichen Ort bleiben. Ausser, es gibt dort wirklich keine Menschenseele.

2. Sei immer abfahrbereit

Dies ist eine goldene Regel, die wir stets befolgen!

Bevor wir zu Bett gehen, stellen wir sicher dass ALLES eingeräumt und klar zur Abfahrt ist. Falls jemand unsere Nachtruhe stört, sollte es wenigstens nicht so aussehen, als hätten wir uns seit Stunden an Ort und Stelle breitgemacht.

Wir möchten nur schlafen und am nächsten Morgen weiterfahren

So, oder so ähnlich sollte es dann klingen.

Packe deinen ganzen Kram zusammen bevor du in den Tiefschlaf fällst. Dann kannst du auch spontan das Feld räumen.

frei stehen

3. Höre auf dein Bauchgefühl

Bestimmt kennst du die Park4Night-App. Hier empfehlen Camper Stellplätze für die Nacht. Wir sind ein grosser Fan dieser App und nutzen sie regelmässig. Wenn wir einen Stellplatz mit der App gefunden haben, lesen wir uns zuerst die Bewertungen durch. Sind diese vorwiegend positiv, fahren wir den Stellplatz an.

Nichtsdestotrotz ist es schon passiert, dass wir uns an dem besagten Ort nicht wohlgefühlt haben. Wenn das Bauchgefühl Nein sagt, fahren wir einfach weiter.

4. Lass deinen Campervan nicht wie einen aussehen

Dies ist wohl Betty’s grösste Stärke. Wenn wir unterwegs sind, können wir überall stehen! Egal ob an der Atlantikküste Frankreichs oder Mitten im Herzen einer Stadt…wir wurden bisher noch nie gestört. Des weiteren ist unsere Betty mit etwas über 2 Metern recht niedrig. So passt unser Campervan durch fast jedes Höhenlimit durch.

Kurzum, lass deinen Camper nicht so aussehen, als würdest du darin leben. Gut, beim klassischen VW Bulli oder ähnlichem ist es offensichtlich, dass du darin übernachtest. Solltest du aber aus einem regulären Lieferwagen einen Campervan bauen, ist das Täuschen viel einfacher!

Mitten in der Stadt – Camper oder Lieferwagen?

Unsere Betty hat zum Beispiel keine Seitenfenster. Wir haben nur zwei Fenster an den Hintertüren. Diese machen wir nachts mit Magnetvorhängen blickdicht. Vielleicht denkst du jetzt „viel zu dunkel“? Dann installiere dir eine zusätzliche Dachluke für mehr Tageslicht.

Ohne Seitenfenster und mit grossen Werbeaufklebern sieht Betty eher wie ein gewerblicher Lieferwagen aus. Und wenn man nicht gerade mit erhöhtem Blick auf unseren Van späht, dann sieht man kaum die zwei Solarzellen auf dem Dach.

Wenn du dir einen Campervan zulegen möchtest, dann überlege dir gut, zu welchen Zwecken du ihn nutzen möchtest. Mit diesem „Trick“ bleibst du auf jeden Fall flexibel, was die Schlafplätze angeht.

5. Suche dir deinen nächtlichen Stellplatz aus bevor es dunkel wird

Kennst du das? Du bist den ganzen Tag auf der Durchfahrt gewesen und musst nun einen Platz für die Nacht finden. Es ist schon dunkel und du hast keine Ahnung wo du anhalten sollst… Dann wundere dich am nächsten Tag nicht, an welch komischen Ort du dich befindest.

Nachts einen Stellplatz zum Schlafen suchen ist nicht immer so einfach. Du siehst deine Umgebung nicht richtig und weisst nicht, ob du dort sicher stehst.

Suche dir deinen nächtlichen Stellplatz noch bei Tageslicht oder Dämmerung aus.

Sollte es trotzdem mal dunkel sein, raten wir dir einen gut beleuchteten Ort auszusuchen. So findest du am Besten heraus in welcher Nachbarschaft du deinen Camper parkst und ob du auch günstig stehst.

6. Immer schön abschliessen

Vielleicht klingt es etwas übertrieben, aber wir schliessen Betty immer und überall ab. Sogar wenn wir nachts im Bett liegen.

Auch wenn wir nur kurz aussteigen um die schöne Aussicht zu geniessen. Es wird abgeschlossen. Gehen wir einkaufen oder zu Fuss auf Erkundungstour, installieren wir zusätzlich unsere Wegfahrsperre am Lenkrad. Das Gleiche gilt fürs Parken auf Camping-/Stellplätzen. EINFACH IMMER!

Je nachdem, schliessen wir die Hintertür mit einem weiteren Riegel von innen ab. Dies ist eine Selbstanfertigung und dient ausserdem zur Belüftung in der Nacht.

Bei Geräten wie Laptop, Smartphone, Foto- und Videokameras hört Nachlässigkeit bei uns auf. Wir können uns den Verlust unseres mobilen Büros und Zuhauses nicht leisten. Weder finanziell, noch moralisch…

Regel Nr.1 beim Frei stehen: Zeige NIE was du alles mit dir rumschleppst!

Jedenfalls nicht, wenn du dich beobachtet fühlst.

Wir haben von Leuten gehört, die sich einen versteckten „Safe“ in den Camper einbauen…nur so als Idee 😉

Falls trotzdem nachts jemand um deinen Van herumwuselt, dann mach dich bemerkbar. Die meisten Einbrecher hauen bei genügend Radau einfach ab.

7. Was tun, wenn die Polizei auftaucht?

Wie gesagt, wir hatten bisher immer Glück und mussten uns noch nie verantworten, respektiv umstellen.

Solltest du nachts ungebetenen Besuch von der Polizei erhalten, hast du genau zwei Möglichkeiten:

  1. Du bleibst still und tust so als wäre niemand „zuhause“,
  2. Du machst auf, bleibst höflich und klärst die Situation mit einem klaren Menschenverstand.

Wir haben von Fällen gehört, welche bis zum nächsten Morgen stehen bleiben durften. Vielleicht hat man ja Glück. Wenn nicht, musst du halt das Feld räumen oder im schlimmsten Falle ein Bussgeld zahlen

 


Haben wir dir deine Sorgen, wie du am Besten frei stehen kannst, nun etwas gemindert? Wie waren deine bisherigen Erfahrungen mit Frei Campen? Rein damit in die Kommentare!


FM Treffen Freiheitsmobil 2018
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8 Kommentare

  • Sehr gut zusammengefasst. Anfangs habe ich mit meinem Balu immer noch Campingplätze aufgesucht, doch nach einer Zeit ist dies fast nie mehr passiert. Nur in Fällen, wo ich mich garnicht wohl gefühlt habe. Ich habe das ‚Problem‘, dass ich meist allein und ohne Hund unterwegs bin. Deshalb ist mir meine Sicherheit mehr wert.
    Punkt 3. ist ein sehr guter Indikator für die ganze Wildcamping Geschichte. Dort wo ich mich nicht wohl fühle, bleibe ich auch nicht! Es gibt so viele andere Ort an denen man stehen kann…;)

    Daumen hoch zu diesem Artikel, hilft mit Sicherheit vielen ‚Wildcamping Anfängern‘ weiter.

    Wer ein paar schöne Orte zum Wildcampen benötigt, ich habe hier mal einige aufgezählt:
    http://lifeofbalu.com/cms/de/tag/wildcamping/

    Danke
    Mogli

    • Hey Mogli,
      Vielen Dank für deinen Kommentar!
      Ja, das Bauchgefühl trügt nie 😉

      Und Danke für den Link zu deinen Wildcamping-Favorites.

      LG

  • Punkt 1 ist eine gute Idee, vielleicht hätte uns das vor dem Überfallversuch am letzten Samstag bewahrt, aber der Platz war so etwas von genial und die Gendamerie hatte auch nichts dagegen. Da wir die fast alle restlichen Punkte genau so handhaben, blieb es bei einem Versuch. Punkt 4 müssen wir passen , bei 6,8 t.

    Immer abschließen, nicht nur zum schlafen, das war unser Glück.

    Gruß
    Andreas

    • Hi Andreas,
      Oje, dann hoffen wir, dass es nur bei dem Überfallversuch geblieben ist! Wo wart ihr denn genau? Wenn du Gendarmerie sagst, gehen wir mal stark von Frankreich aus.
      Ja, immer abschliessen ist bestimmt nicht verkehrt…auch wenn wir deshalb vielleicht als „übertrieben vorsichtig“ abgestempelt werden. Uns ist unser Van und das Equipment eben heilig 🙂
      LG aus der Bretagne,
      Patascha

  • Hallo Ihr beiden,
    sehr schöner Bericht und vor allem mal erfrischend anders geschrieben. Da wir meistens mit dem Dachzelt unterwegs sind sieht man unserem Defender die Übernachtungsabsicht natürlich gleich an. Wir setzen ein Stück weit auf die Karte der Verhältnismässigkeit. Das heisst wir versuchen soweit weg von offiziellen und komfortablen Straßen/Wegen zu campen wie möglich. Langfinger sind auf schnelle Flucht angewiesen und die Polizei macht sich meist nicht die Mühe. Bisher klappte das ganz gut.
    Wünsche Euch weiterhin tolle Reisen.

    Beste Grüße

    • Wow, mit Defender und Dachzelt würden wir uns auch glatt auf den Weg machen! Ist bestimmt spannend.
      Eure Taktik ist ’ne Überlegung wert…wir werden es uns mal merken.

      LG,
      Patascha

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